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Erschienen am: 27.06.2022

Das „Schaufenster“ Bayerns: 10 Jahre BayernAtlas

Interview mit LDBV-Präsident Wolfgang Bauer

Interview mit LDBV-Präsident Wolfgang Bauer

Warum stellt die BVV den BayernAtlas bereit?
Der BayernAtlas hat eine lange Vorgeschichte und ist als „BayernViewer“ ursprünglich als Präsentationsmöglichkeit für unsere Geodaten und abgespecktes Mini-GIS für kleinere geografische Aufgaben konzipiert worden. BayernViewer-agrar, BayernViewer-Denkmal und weitere fachspezifische „Speziallösungen“ zeigten auch schnell den Bedarf an solchen Lösungen innerhalb der bayerischen Staatsverwaltung. Mittlerweile hat sich der BayernAtlas zur digitalen Karte weiterentwickelt. Neben der Präsentation unserer eigenen Geobasisdaten und vielen Fachdaten anderer Ressorts ist der BayernAtlas auch das Gesicht unserer bayerischen Geodateninfrastruktur nach außen. Über standardisierte WebService-Technologien können bequem beliebige Geodaten eingebunden und auch unsere Geodaten unkompliziert in andere Fachanwendungen integriert werden. Die BVV stellt den BayernAtlas damit zur Erfüllung einer ihrer Kernaufgaben zur Verfügung – der Verbreitung und Nutzung staatlicher Geodaten.

Was ist für Sie der BayernAtlas?
Für mich ist der BayernAtlas neben den gerade angesprochenen Themen ein tolles Beispiel für eine digitale Freizeitkarte. Durch Funktionen wie das Freizeit-Routing, die Anzeige von Höhenprofilen oder Entfernungen sowie mit seiner Fülle an topographischen Informationen ist der BayernAtlas ein unverzichtbarer Begleiter für alle Freizeitaktivitäten.
Und nicht zuletzt ist der BayernAtlas ein schönes Beispiel für die technische Innovationskraft unserer Verwaltung!

Nutzen Sie den BayernAtlas auch privat?
Nachdem ich mein Smartphone in der Regel immer dabeihabe, nutze ich bei allen Fragen zur Positionsbestimmung und Orientierung gerne unseren BayernAtlas und verzichte bewusst auf amerikanische Produkte, da ich die Informationstiefe und -qualität unseres Kartendienstes sehr schätze. Leider endet unsere Zuständigkeit an den bayerischen Außengrenzen! Auch beim Planen von Fahrrad-Routen greife ich gerne auf unseren BayernAtlas zurück, da man gerade abseits von den befestigten Straßen tolle Alternativstrecken findet.

Wie sehen Sie den BayernAtlas in Bezug auf privatwirtschaftliche Konkurrenz wie z. B. Google Maps?
Der BayernAtlas stellt kein Konkurrenzprodukt zu privatwirtschaftlichen Anwendungen wie Google Maps oder Apple-Karten dar, sondern ist eine Infrastrukturleistung des Freistaats Bayern. Er bietet für alle Interessierten einen kostenlosen Informationszugang zu Geobasis- und Geofachdaten der öffentlichen Verwaltung Bayerns. Er ist dadurch zwar auf Bayern beschränkt, bietet dafür aber eine Informationsfülle, die weit über das Angebot von Google oder Apple hinausgeht. Gleichzeitig dient der BayernAtlas zur Ansicht unterschiedlichster Geofachdaten, die im Rahmen der Geodateninfrastruktur Bayern (GDI-BY) zumeist von Behörden bereitgestellt werden. Beispiele aus über 600 Fachdaten sind Natur- oder Wasserschutzgebiete, Bebauungspläne, Angaben zur Breitband-Infrastruktur, Daten des Denkmalschutzes oder ein Schulatlas.

Welche Zielgruppen haben Sie beim BayernAtlas im Blick?
Ich sehe hauptsächlich die folgenden drei Zielgruppen:
- Öffentlicher Sektor: Nutzung z. B. durch Gemeinden, Städte, Landkreise und Fachverwaltungen. Bereitstellung von amtlichen, d.h. aktuellen, vollständigen und verlässlichen Geobasisdaten für die tägliche Arbeit und als Grundlage für Planungen wie z. B. Gewerbegebiete, Baugebiete und so weiter. Der BayernAtlas kann aber auch bei aktuellen politischen Herausforderungen unterstützen, wie z. B. der Nutzung der Solarpotentialkarten bei der Bewältigung der Klimakrise.
- Bürgerinnen und Bürger: Der BayernAtlas kann als umfassende Informationsquelle bei allen Fragen mit Raumbezug und im Kontext von Freizeitangeboten (Wandern, Radfahren, Bademöglichkeiten, Freizeitparks, Tiergärten usw.) genutzt werden.
- Fachanwenderinnen und Fachanwender aus der Privatwirtschaft: Mit dem kostenpflichtigen Angebot des BayernAtlas-plus, der weitere Daten wie die ALKIS-Flurkarte enthält, können viele Arbeiten der Privatwirtschaft unterstützt werden. Insbesondere Ingenieurbüros nutzen zur Erfüllung ihrer Aufgaben den BayernAtlas.

Wo sehen Sie den BayernAtlas in fünf Jahren?
In fünf Jahren werden wir, wie bisher, technisch up to date sein. Der BayernAtlas wird von einem starken Team entwickelt, das modern und zukunftsweisend arbeitet. Es reagiert zielgerichtet und schnell auf die sich ändernden Ansprüche der Nutzerinnen und Nutzer. In Bearbeitung ist eine Neuentwicklung des BayernAtlas in komplett neuem „Gewand“, welches noch stärker als bisher schon für die kleineren Displays von Smartphones optimiert ist.
Eine wichtige Erweiterung der Funktionen sehe ich im Bereich der augmented reality. Der BayernAltas ist bereits 3D-fähig. Ein nächster Schritt wäre die Option, virtuell in die Karte eintauchen zu können. Dadurch könnten Orientierung, Wahrnehmung und Anwendung zusätzlich optimiert werden.
Der BayernAtlas ist in fünf Jahren als „Schaufenster“ und Drehscheibe Bayerns zu allen staatlichen Informationen mit Raumbezug ausgebaut worden und in breiter Nutzung.

Welche Vision haben Sie für den BayernAtlas im Kopf?
Mein Ziel ist es, dass alle Bürgerinnen und Bürger sowie alle Fachanwenderinnen und Fachanwender den BayernAtlas kennen, nutzen und einen Mehrwert daraus ziehen. Im Freizeitbereich arbeiten wir an einer grenzüberschreitenden Nutzung in den angrenzenden Bundesländern sowie in unseren Nachbarländern Österreich und Tschechien. Damit entsteht ein echter Mehrwert für Wander- und Radsportfans, da gerade die Grenzgebiete tolle Freizeitmöglichkeiten bieten.
Im Bereich unserer Fachanwenderinnen und Fachanwender sehe ich den BayernAtlas als Werkzeug für kleinere „GIS-Aufgaben“. Der BayernAtlas als Visualisierungskomponente der Geodateninfrastruktur Bayern soll alle staatlichen und kommunalen Geodaten sichtbar machen.

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